Kulturkreis Haunstetten e.V.

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Die Munitionsbunker aus der Zeit des Nationalsozialismus im Haunstetter Wald

Heute sind sie "Heimat" wertvoller Fledermäuse

Ein sehr gelungenes Beispiel für die Umwandlung von Militärgebiet in einen friedlichen Ort des Naturschutzes sind die Munitionsbunker im Haunstetter Wald.

In den Jahren 1934 - 1936 wurde nördlich des bereits seit dem 19. Jahrhundert vorhandenen Schießplatzes von der Wehrmacht, d.h. der Heeresmunitionsnebenanstalt Augsburg des Wehrkreis VII ein Munitionslager mit 13 Munitionsbunkern für die Artillerie angelegt. Die Gesamtkapazität betrug ca. 40 Tonnen. Es war in der Zeit, kurz nach der nationalsozialistischen Machtergreifung, als die in der Weimarer Republik begonnenen Planungen für eine Vergrößerung der Reichswehr durch Adolf Hitler eine massive Intensivierung erfuhren.

Nach der Besetzung Haunstettens im 2.Weltkrieg am 28.04.1945 durch Einheiten der 3.Infanteriedivision der 7.US-Armee brauchten diese, so berichteten Haunstetter Zeitzeugen, einige Tage, um die mit Bewuchs (Sträucher, Gras, Moos, Bäume ...) gut getarnten Munitionsbunker zu finden.

Nach dem 2.Weltkrieg bis 1961 nutzten die in Augsburg stationierten US-Truppen das Munitionslager als "Ammunition Storage". Bewacht wurden die Bunker u.a. durch deutsche Zivilangestellte der US-Armee, auch junge Männer aus Haunstetten und Siebenbrunn waren dabei. Diese Civilian Guards (CG) gehörten zur Industrial Police und später zum Labor Service der amerikanischen Armee. Deren Sitz war zuerst die Augsburger Holbeinstraße 12, dann die Reese Kaserne an der Sommestraße.

Im Jahr 1961 erfolgt die Übernahme als Korpsdepots 258 durch die 1955 gegründete Bundeswehr.
Aus Sorge um reines Trinkwassers für die wachsende Bevölkerung Augsburgs und Haunstettens wurden bereits 1962 weite Teile des Haunstetter Waldes als Trinkwasserschutzgebiet ausgewiesen. 1975 beantragte die Stadt Augsburg aus Gründen des Trinkwasserschutzes die Absiedelung des Munitionsdepots 258. Eine von der Bundeswehr beabsichtigte Verlagerung nach Derching-Haberskirch kam nicht zustande.

Von 1982-86 wurde das Munitionsdepot der Bundeswehr nach und nach geschlossen, die Munition entfernt. Abgetragen wurden auch die wenigen Gebäude wie die Räume für das Wachpersonal, einige Wellblechhallen, Munitionslagerhäuser und die Umzäunung.
Die Bunker wurden verschlossen und als Domizil für Fledermäuse benutzt.

Betreut wird das Gebiet von der städtischen Forstverwaltung Augsburg. 2021 tauschte es aus Sicherheitsgründen die marode gewordenen Türen zu den Bunkern aus - natürlich wieder mit Einflugslöcher für die Fledermäuse.

Text: Stand 03.08.2021
Jutta Goßner Vorsitzende Kulturkreis Haunstetten e.V.

Bilder: alle Archiv des Kulturkreis Haunstetten e.V.